Souveränität

Souveränität

Herkunft und Zukunft eines Schlüsselbegriffs

Dieter Grimm

Staaten definierten sich durch ihre Souveränität. Die internationale Ordnung basierte auf der Souveränität der Staaten. Inzwischen hat eine Erosion von Staatlichkeit und ein grundlegender Wandel der internationalen Ordnung eingesetzt. Daher werden Zweifel laut, ob es den mit dem Begriff „Souveränität“ bezeichneten Gegenstand noch gibt und ob er weiterhin Erklärungswert für die rechtliche und politische Wirklichkeit der Gegenwart besitzt. Die meisten Antworten auf diese Fragen leiden allerdings an ihrer historischen Kurzsichtigkeit. Die Souveränität ist keineswegs zum ersten Mal einem Wandlungsprozess ausgesetzt, in dessen Folge sich Bedeutung und Funktion des Begriffs neuen Gegebenheiten anpassten. Von der fortlaufenden Verwendung des Begriffs darf daher nicht auf inhaltliche Identität geschlossen werden. Ohne eine Berücksichtigung derjenigen Verhältnisse, Ideen und Interessen, denen die verschiedenen Souveränitätsverständnisse ihre Entstehung verdanken, lässt sich daher nicht zuverlässig klären, ob es auch im 21. Jahrhundert noch eine Funktion für den Souveränitätsbegriff gibt und wie sein Inhalt dann bestimmt werden müsste.


Autorenporträt

Dieter Grimm

Dieter Grimm, em. Professor für öffentliches Recht, lehrte in Bielefeld und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1987 bis 1999 gehörte Grimm als Richter dem ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts an. von 2001 bis 2007 war er Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin.