Kunde von den Mongolen

Kunde von den Mongolen

Übersetzt, eingeleitet und erläutert von Felicitas Schmieder. 1245-1247

Johannes von Plano Carpini

»Weil nicht nur die Menschen, sondern auch die unvernünftigen Lebewesen und sogar die Grundstoffe der Weltmaschine durch Gemeinschaft in einem Bund von Natur aus vereinigt sind, ... sind wir nicht zu Unrecht gezwungen, uns sehr zu wundern, daß Ihr, wie wir vernommen haben, viele christliche und auch andere Länder überfallen habt, sie in schrecklicher Zerstörung verheert und nicht ablaßt, in noch andauernder Raserei Eure verwüstenden Hände nach weiteren Ländern auszustrecken, und losgelöst vom Band der naturgegebenen Verwandtschaft, ohne Unterschied gegen alle, ohne Rücksicht auf Geschlecht oder Alter, mit dem Schwert der Rache zu wüten.« Innozenz IV. (Brief des Papstes)

Am 9. und 11. April des Jahres 1241 erlitten christliche Heere bei Lieglitz in Schlesien und bei Mohi am Sajò in der ungarischen Theiß-Ebene vernichtende Niederlagen gegen ein Reitervolk, das über Osteuropa hinweggefegt war und nun an den Toren des Abendlandes stand. Der Name, den man dem Reitervolk gab, – Tartaren – verweist direkt auf die mythologische Hölle, den Tartaros. Im Jahre 1243 schickt der neue Papst Innozenz IV. Kundschafter aus, um das Volk und das Reich, die das Abendland an den Rand des Untergangs gebracht hatten, genauer zu erkunden und strategisch wichtige Informationen zu sammeln. Der Franziskaner Johannes von Plano Carpini und seine Gefährten wählten in diesem Sinn die Nordroute über Russland. Als er in das fremde Reich gelangt, wird er von den Mongolen immer weitergeschickt und gelangt schließlich zum Großkhan selbst. Auf seiner Reise durchquerte er dabei innerhalb von zwei Jahren (1245 -1247) fast ganz Europa und Asien, sah Gegenden und Menschen, von deren Existenz man vorher nur eine dunkle Ahnung hatte oder gar nichts wusste.


Autorenporträt

Johannes von Plano Carpini

Johannes von Plano Carpini wurde um 1185 in der Nähe von Perugia geboren und starb 1252 in Montenegro. Er war ein italienischer Franziskaner und war vermutlich noch direkter Schüler von Franz von Assisi. Um 1220 herum war er in Deutschland als Missionar tätig, missionierte u.a. aber auch in Tunis, Polen, Ungarn, Dänemark, Norwegen und auf der iberischen Halbinsel. Aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen, die er aus seiner internationalen Missionstätigkeit mitnahm, wurde er für die Expedition zum Volk der Mongolen – Tartaren genannt – ausgewählt. Auf dieser Reise sammelte er wertvolle Erkenntnisse über die mongolischen Stämme, ihren Alltag, ihre Religion und Sprache aber auch über ihre militärischen Strategien und ihre Rechtsprechung.

Felicitas Schmieder (Hrsg.)

Felicitas Schmieder studierte Geschichte und Latein in Frankfurt am Main, Staatsexamen 1986, Promotion 1991; Habilitation 2000. 1987 bis 2004 Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Hochschuldozentin am Historischen Seminar der Universität Frankfurt am Main; Lehrtätigkeit in Konstanz, Gießen und Prag; seit 1995 recurrent visiting professor am Department for Medieval Studies der Central European University, Budapest. Seit Dezember 2004 Professorin für Geschichte und Gegenwart Alteuropas an der Fernuniversität Hagen.