Marguerite Porete

Marguerite Porete

Die Mystikerin

Gerhard Wehr (Hrsg.)

Was wäre die christliche Mystik ohne den Anteil der Frauen? Der Pulsschlag fehlte ihr, das empfindende, das liebende und das leidensfähige Herz! Aber Mystikerinnen und Mystiker leben gefährlich. Die Geschichte ist reich an entsprechenden Belegen. Bedroht und verfolgt, missdeutet und verleumdet, nach peinlichen Verhören gewaltsam getötet werden sie in der Regel nicht etwa von Gottesleugnern oder von erklärten Gegnern des Christentums. Paradoxerweise geht die Verunglimpfung durchwegs von den Hütern der sogenannten Rechtgläubigkeit aus. Sie befürchten, das kirchliche Dogma werde durch enthusiasmierte Christen überall dort verfälscht, wo beispielsweise Eigenerlebtes über kirchenamtlich sanktionierte Wortlaute gestellt wird. Aber hat alles Offenbarungsgeschehen und aller Erkenntnisdurchbruch etwa nicht ursprünglich im Seeleninnern von jeweils Einzelnen seinen Anfang genommen?


Autorenporträt

Marguerite Porete

Marguerite Porete kam vermutlich im Jahr 1250 in der nordostfranzösischen Stadt Valenciennes zur Welt. Sie schloss sich der Beginenbewegung an und hatte ein zwiespältiges Verhältnis zur Kirche. Ihr in einfacher Volkssprache geschriebenes Werk „Der Spiegel der einfachen Seelen“ versetzte die kirchliche Inquisation in Aufruhr und führte zu ihrer öffentlichen Verbrennung im Jahr 1310 in Paris. Heute gilt sie als eine der wichtigsten Mystikerinnen und theologischen Schriftstellerinnen Frankreichs.

Dr. theol. h.c. Gerhard Wehr
Dr. theol. h.c. Gerhard Wehr

Dr. theol. h.c. Gerhard Wehr, geb. 1931 in Schweinfurt/Main. Nach langjähriger Tätigkeit auf verschiedenen Feldern der Diakonie und der Erwachsenenbildung, zuletzt als Lehrbeauftragter an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Rummelsberg/Nürnberg, arbeitet er als freier Schriftsteller in Schwarzenbruck bei Nürnberg. Ein Großteil seiner Werke zur neueren Religions- und Geistesgeschichte ist in mehreren europäischen und asiatischen Sprachen verbreitet.