Die Lehrgespräche des Meisters Meng K’o

Die Lehrgespräche des Meisters Meng K’o

Mong Dsï

Radikaler, lebensnaher und praxisbezogener als Konfuzius führte Mong Dsï den Konfuzianismus in eine neue Zeit. Während sich die Despoten der chinesischen Kleinstaaten bekriegten, entwickelte er den Konfuzianismus politisch weiter und trat für eine humane Regierung ein. Bedeutend hierbei ist die Grundlage seiner Philosophie: Während Konfuzius nur feststellt, dass die Menschen sich auf natürliche Weise nahestehen, sieht Mong Dsï sie als gleich an und als von Natur aus gut. Erst die jeweiligen gesellschaftlichen, sozialen und privaten Umstände beeinflussen die an sich gute Natur des Menschen positiv oder negativ. Zentral sind für ihn vier jedem Menschen innewohnende Prinzipien: Mitleid, Scham, Ehrerbietung und die Fähigkeit, gut von böse zu unterscheiden. Bis heute hat Mong Dsïs Philosophie – trotz oder gerade aufgrund ihrer politischen Ausrichtung – nicht an Aktualität verloren und kann als Orientierungshilfe im gesellschaftlichen Makro-, aber auch im individuellen Mikrokosmos dienen.


Autorenporträt

Mong Dsï

Mong Dsï, auch Menzius oder Meng Ke, (372 bis 289 v. Chr.) wurde in Dsou geboren und gilt bis heute als der bekannteste konfuzianische Philosoph nach Konfuzius selbst. Nachdem sein Vater früh verstorben war, zog ihn seine Mutter allein groß; gemäß einer in China allbekannten Legende sei sie mit ihrem Sohn mehrmals umgezogen, damit er in angemessener Umgebung aufwachsen könne. Wie auch Konfuzius bereiste er an die 40 Jahre die chinesischen Provinzen, um an den herrschaftlichen Höfen philosophisch zu wirken und das Denken des jeweiligen Herrschers reformerisch zu beeinflussen. Nachdem er erkannte, dass er das militaristische Handeln der Despoten nur bedingt beeinflussen konnte, zog er sich um 301 v. Chr. aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und begann seine Philosophie schriftlich festzuhalten.

Richard Wilhelm
Richard Wilhelm

Richard Wilhelm (1873-1930) war einer der maßgeblichen Vermittler der chinesischen Sprache, Philosophie und Kulturgeschichte. Als Abgesandter der evangelisch-lutherischen Ostasienmission brach er 1899 in das Kaiserreich China auf. Bis 1921 war er als Missionar, Pfarrer und Pädagoge in Tsingtau tätig, lernte Chinesisch und setzte sich intensiv mit den Werken des klassischen chinesischen Altertums auseinander. 1924 erhielt er einen Lehrstuhl für Sinologie in Frankfurt am Main und wurde erster Direktor des von ihm erbauten China-Instituts. Durch seine Übersetzungen klassischer chinesischer Schriften etwa von Konfuzius oder Mong Dsï eröffnete er vielen Europäern den Zugang zur asiatischen Kultur und Lebensweise.