Von Polen her. Europa denken

Von Polen her. Europa denken

Gespräche über Europa auf Reisen in Polen

Ronald Hirte / Fritz von Klinggräff

Ein Reisebuch durch das heutige Polen … und seine Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie ein mannigfaltiges und widersprüchliches Plädoyer für ein Europa der Bürgerinnen und Bürger. ›Von Polen her Europa denken‹, hießen die Koordinaten der Autoren für ihre über zwanzig offenen Gespräche mit drei Generationen: Nach Jahrhunderten der polnischen und europäischen Teilungen und 75 Jahre nach dem ›Hitler-Stalin-Pakt‹ erzählen die Menschen in Polen heute sehr souverän Geschichten aus ihrer Vergangenheit – von einem künftigen Europa. Vom kaiserlich-königlichen Krakau und dem ›Radio Majdanek‹ Danuta Brzosko-Medryks bis zu den Warschauer Analysen der Krimkrise durch Polens Leitartikler Adam Krzeminski reicht dieser Spannungsbogen der polnischen Geschichte Europas ... von der europäischen Renaissancestadt Zamosc bis ins Jerusalem der Gegenwart. Hinzu treten zwei künstlerische Interventionen: Das Fotoprojekt ›Inne Miasto‹ von Elzbieta Janicka und Wojciech Wilczyk sowie die literarische Reise Tine Rahel Völckers nach Krakau.

Zwischen Warschau, Lodz, Lublin und Danzig erkunden Ronald Hirte und Fritz von Klinggräff in über zwanzig Interviews das Geschichtsgefühl und Erinnerungspotential unserer östlichen Nachbarn für eine gemeinsame europäische Zukunft. Was in Paris vor vier Jahren mit lebensgeschichtlichen Gesprächen für den ersten Band ›Von Buchenwald(,) nach Europa‹ begann, findet hier nun mit drei polnischen Generationen seine Fortsetzung. Herausgekommen ist eine Langzeitrecherche nach dem, was uns im Weimarer Dreieck zwischen Polen, Deutschland und Frankreich zu geschichtlichen Wesen macht: Das Nachdenken dreier Generationen über hundert Jahre erinnerter Gegenwart. Im Mittelpunkt steht nun die erste Generation der Nachgeborenen (die ›zweite Generation‹) – allen Gesprächspartnern gemeinsam aber ist, dass sie sich mit ihren Erwartungen und Hoffnungen zentral auf den Erfahrungshorizont der NS-Zeit beziehen, auf den Kulminationspunkt der europäischen Gewaltgeschichte im 20. Jahrhundert. Facettenreich und längst nicht immer mit einer Zunge erzählen sie von Polens Mythen und von Polens Geschichten – in einer Dialektik der Selbstaufklärung, die sich nicht nur in einer inzwischen einmaligen europäischen Museumslandschaft niederschlägt, sondern auch mitten hinein führt in Barrosos theatralisches Brüssel des 21. Jahrhunderts.


Pressestimmen

»Höchst aufschlussreich.«

Frankurter Rundschau

Autorenporträt

Ronald Hirte

Ronald Hirte, Historiker und Archäologe, Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Veröffentlichungen u.a.: Offene Befunde. Zeitgeschichtliche Archäologie und Erinnerungskultur (Goslar 2000).

Friedrich von Klingräff

Friedrich von Klinggräff, freier Autor und Journalist in Genf. Leiter des Goethe-Prüfungszentrums in der Westschweiz. Zuvor Pressesprecher der Stadt Weimar und stellv. Generalsekretär des Komitees zur Förderung der deutsch-französisch-polnischen Zusammenarbeit (Weimarer Dreieck) e.V. Veröffentlichungen u.a.: ›Auf der Suche nach der verlorenen Revolution‹ (Berlin 1989).